Kaiserslautern gibt es wirklich

Kaiserslautern, Kaiserpfalzruinen, RathausWomöglich denken viele, K’lautern sei so etwas wie M’gladbach: ein in seiner Existenz durch eine Autobahnabfahrt verbürgter Platzhalter für ältere Fußball-Legenden (als deren größte, trotz Fritz Walter, betrachtet werden muss, wie Otto Rehhagel sein Kunststück vorexerzierte, mit Griechenland Europameister zu werden, indem er mit dem Aufsteiger 1.FCK 1998 Deutscher Meister wurde…).

Kaiserslautern, Kreisverkehr mit FußballernDoch Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) gibt es wirklich. Schön ist es nicht. Dass merkt man schnell schon daran, wie es sein 84 Meter langes Rathaus zu „einem der markantesten Wahrzeichen der Stadt“ hochjazzt. Andererseits, Städten einen Vorwurf machen, weil sie nicht schön sind, wäre albern. Meistens sind solche Städte früher bloß besonders oft zerstört und dann nach Maßstäben wiederaufgebaut worden, die damaligen Entscheidungsträgern sinnvoll schienen.

Kaiserslautern um 1625 (im Stadtmuseum)Bereits bevor Kaiserslautern im Zweiten Weltkrieg zu etwa 60 Prozent zerstört wurde, gab es im Ersten (den die Deutschen ja zu weitesten Teilen außerhalb ihrer damaligen Grenzen führten) Luftangriffe auf die Stadt. In vorhergehenden Jahrhunderten gab es etwa die preußisch-französische Schlacht bei Kaiserslautern, davor diverse Erbfolgekriege (der Pfälzische, aber auch der Spanische spielte in der Gegend) und ebenfalls französische Besetzungen sowie den 30-jährigen Krieg natürlich. Im 16. Jahrhundert, als der Grundsatz „cuius regio, eius religio“ herrschte, mussten die Pfälzer Untertanen in 27 Jahren (zwischen 1556 und 83) viermal ihre Konfession wechseln – was zumindest deutscher und wahrscheinlich Weltrekord sein dürfte. Daneben wurden in der Gegend viele Bürgerkriege geführt bzw. wie besonders im deutschen Südwesten republikanische Aufstände versucht. Im 20. Jahrhundert, während einer weiteren französischen Besatzung, wurde um eine Autonome Pfalz gekämpft, im vorletzten kamen nach dem Hambacher Fest (an das heute wegen der damaligen deutsch-französisch-polnischen Einigkeit gern erinnert wird) ganz in der Nähe sogenannte „Strafbayern“ in die Pfalz, die damals nämlich als exterritoriale Region zum Königreich Bayern gehörte.

Kaiserslautern, KaiserpfalzUnd während Revolution von 1848/ 49, in deren Umfeld Friedrich Stoltze „Geb’s Gott, daß Kaiserslautern noch/ Ein Volkslautern heißt!“ dichtete, fanden in der Gegend natürlich ebenfalls heftige Kämpfe statt. Insofern dürfte Kaiserslautern eine der häufigst zerstörten deutschen Städte sein, der man wirklich nicht vorwerfen kann, dass sie nach dem autogerechten Wiederaufbau für die Bedürfnisse der US-Army nicht mehr wie früher aussieht.

Kaiserslautern, KaiserbrunnenDer für Spieltags-Übersichten der Bundesliga immer ein wenig zu lange Name hat tatsächlich mit Kaisern zu tun. Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa baute sich in der Stadt eine Kaiserpfalz, deren Ruinen sozusagen quer zum Wahrzeichenrathaus liegen und die andere relative Top-Sehenswürdigkeit bilden. Im 16. Jahrhundert, als auch Kaiserslautern für gut 30 Jahre einmal Hauptstadt (des Fürstentums Lautern) war, baute dessen Herrscher Johann Casimir sich daraus ein Schloss. Als derselbe Fürst dann aber die Chance bekam, in einem größeren Pfälzer Fürstentümchen Vormund zu werden, zog er nach Heidelberg weiter. Und K’lauterns Hauptstadtzeit war schon wieder vorüber.

KaiserslauternKaiserslauternNoch viel vergessener jedoch ist der zweite Teil des Stadtnamens. Bei der Lauter handelt es sich um einen Fluss, der jedoch völlig überdeckelt ist und im aktuellen Kaiserslauterner Stadtbild gar nicht mehr auftaucht.

Dass die Stadt, als ich dort war (im Mai), ehrlich gesagt, auch ziemlich versifft aussah, lag vielleicht bloß daran, dass gerade lange kein Fritz-Walter-Wetter geherrscht hatte und den Siff hätte wegspülen können.

 

Dieser Beitrag wurde unter Orte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.