Schöne Heimatmuseen (1): Weißenhorn

Weißenhorn, Heimatmuseum am Torturm

Am Marktplatz von Weißenhorn im bayerischen Schwaben stehen eine seehr große Hallenkirche aus dem 19. Jahrhundert, zwei kleinere, ältere Schlösser, von denen eins jetzt Rathaus ist, ein ähnlich altes Brauhaus und ein stattlicher Torturm mit Anbauten. Dort, im ehemaligen „Woll- und Waghaus“, befindet sich seit über 100 Jahren das Heimatmuseum. In seiner Dauerausstellung geht es um Themen wie den Bauernkrieg, katholische Volksfrömmigkeit und die Fugger. Weißenhorn war im 16. Jahrhundert einer der allerersten Orte, die die damals enorm reiche, aber noch überhaupt nicht adelige (später hingegen: verarmte, dafür aristokratische) Augsburger Kaufmannsfamilie sich als Herrschaftsgebiet kaufte.

Derzeit, noch bis Ende Juni, ist die Dauerausstellung mit einer ebenso sehenswerten Sonderausstellung über den Weißenhorner Maler Franz Martin Kuen verwoben. Sehr viele Werke von dem kann das Museum schon deshalb nicht zeigen, weil Kuen im 18. Jahrhundert vor allem Decken in nahen und entfernteren Kirchen mit rokoko-illusionistischen Szenen bemalt hat. Die kleinen, manchmal ironischen Details und Selbst- (oder Auftraggeber-)Porträts am Rande solcher einerseits gewaltigen, andererseits überhaupt nicht ins Auge springenden Kunstwerke bemerkt man viel besser bzw. überhaupt erst, wenn gut konzipierte Ausstellungen die Zusammenhänge ausleuchten.

Weißenhorn lässt sich übrigens auch per Bahn gut erreichen, da die Deutsche Bahn die Strecke nach Ulm zwar mal stilllegen wollte, doch die Ulm/Neu-Ulmer Stadtwerke einsprangen. Das Museum hat mittwochs bis sonntags immer am Nachmittag geöffnet.

Weißenhorn, Franz Martin Kuen im Heimatmuseum

Schöne Heimatmuseen? „Heimat“ ist ein schwieriger Begriff, unter dem viele Menschen etwas anderes verstehen, und den viele wieder wichtig finden (mindestens, um ihn nicht anderen zu überlassen, die anderes drunter verstehen …). Jedenfalls: Sich statt international spektakulärer Sonderausstellungen, vor denen man vielleicht sogar Schlange stehen muss, mal Heimatmuseen anzusehen, in denen manchmal – aber nur manchmal – erst das Licht eingeschaltet werden muss, wenn Besucher kommen, kann auch interessant sein. Und/oder schön.

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