Was man wissen wollen könnte über … Marktredwitz

Marktredwitz, Egerstraße* Der nördlichste Ort im heutigen Deutschland, der einmal österreichisch war, sogar noch vor 200 Jahren (bis Bayern ihn 1816, „als Ergebnis eines der letzten Folgeverträge des Wiener Kongresses“, gegen das seitdem tirolische Vils im Süden eintauschte …), heißt Marktredwitz. Seinerzeit fiel das aber kaum auf, weil Österreich das wichtigste und größte Mitglied im „Heiligen Römischen Reich“ und später dem Deutschen Bund war, und weil ganz Böhmen, also das heutige Tschechien, ebenfalls österreichisch war. Der kleine Markt namens Redwitz war als Besitztum der viel größeren ehemaligen Reichsstadt Eger, des heutigen Cheb, die dann selbst an Böhmen verpfändet wurde, auf komplizierten Wegen in den Machtbereich der Habsburger geraten.

Marktredwitz, katholische Theresienkirche* In der Mitte der kleinen Fußgängerzone, am Markt mit dem Rathaus, stehen sich in Marktredwitz zwei Kirchen schräg gegenüber, die weder derselben Stilart noch derselben Konfession angehören. Die kleinere, gelb verputzte Rokokokirche ist von Maria Theresia gestiftet worden und heißt Theresienkirche. Was nicht so unbescheiden war, wie es klingen könnte. Die Kirche ist halt der hl. Teresa von Avila gewidmet, die auch Namenspatronin der österreichischen Erzherzogin, u.a. böhmischen Königin und deutschen Kaiserin war. Tatsächlich recht einzigartig ist, dass die streng katholische Maria Theresia, die in ihrem unmittelbaren Herrschaftsgebiet eigentlich keine Protestanten duldete, in Redwitz keine Gegenreformation mehr durchführen ließ.

Marktredwitz, Rathaus und evangelische BartholomäuskircheIm Westfälischen Frieden hatte der Ort sich seine evangelische Konfession bewahrt, wohl vor allem mit Hilfe der ihn weithin umschließenden Markgrafschaft Bayreuth. Als er im Lauf des 18. Jahrhunderts richtig österreichisch wurde, war es wohl auch den Habsburgern nicht mehr so wichtig. Die neuere katholische Kirche gegenüber der größeren evangelischen ließen sie im späten 18. Jahrhundert für im Ort stationierte österreichische Soldaten errichten, die unter anderem die Einwohner im „Kartoffelkrieg“ (mehr dazu auf tourismus-marktredwitz.de, weiter unten) unterstützen sollten – einem kleineren Krieg um obskure Grenzen, wie er im Heiligen Römischen Reich nicht selten war. Das Umland des Städtchens mit Äckern, die die Redwitzer bewirtschafteten, lag gleich wieder im Ausland – eben in der Markgrafschaft mit dem vollständigen (auch verwirrenden) Namen Brandenburg-Bayreuth.

Marktredwitz, etwas überdimensionales Einkaufszentrum* Erheblich einschneidender als die beiden Kirchen fürs Stadtbild wirkt ein riesiges Einkaufszentrum. Das nach einem vorbeiführenden Bach benannte Kösseine-Zentrum erinnert (bzw. erinnert, wenn man shoppt, natürlich gar nicht) an einen der laut Wikipedia „größten Umweltskandale Deutschlands“, der in den 1980er Jahren dazu führte, dass eine, ja, demselben Wikipedia-Artikel zufolge sogar „die erste Chemiefabrik in Deutschland“ (die in Teilen weiterhin in Marktredwitz existiert ) geschlossen und abgerissen wurde. Das Gelände, auf dem nun ungefähr alle Filialisten, die in anderen deutschen Shoppinghöllen auch vertreten sind, auch tschechisches Publikum zum Einkauf einladen, war quecksilberverseucht.

Marktredwitz, Goethe war auch daWer historische Zusammenhänge herstellen möchte, könnte gleich auf Goethe kommen. An dessen immerhin fünf Tage währenden Besuch anno 1822 erinnert Marktredwitz wie jede vom Dichter besuchte Ortschaft. Die Gründer jener Fabrik, die Fikentschers, korrespondierten nicht nur mit ihm, sondern waren auch bei seiner Farbenlehre behilflich, die Goethe bekanntlich für sein Hauptwerk hielt.

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Marktredwitz, Einkaufszentrum (an der Stelle der vielleicht ersten chemischen Fabrik Deutschlands)

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